Michaelerplatz

Über diesen Ort

Betreten Sie den Michaelerplatz und sehen Sie, wie viele Epochen Wiens hier auf engstem Raum aufeinandertreffen. Vor Ihnen liegt der geschwungene Michaelertrakt der Hofburg. An einer Seite steht die Michaelerkirche, gegenüber das berühmte Looshaus. Unter Ihren Füßen finden Sie Spuren aus längst vergangenen Zeiten. Kaum ein Ort in Wien zeigt die Geschichte der Stadt so vielschichtig wie dieser. Die älteste Schicht ist römisch. Die Ausgrabungen aus den Jahren neunzehnhundertneunzig und neunzehnhunderteinundneunzig zeigen rund zweitausend Jahre Siedlungsgeschichte. Zur Zeit der Römer war dies Teil der canabae legionis. Das war die Zivilsiedlung außerhalb des Militärlagers Vindobona. Hier lebten und arbeiteten die Familien der Soldaten, Händler und Handwerker. Werkstätten, Läden und Gasthäuser prägten das Bild. Dieser belebte Platz ist also schon seit der Antike ein Ort der Begegnung. Der Platz selbst ist jünger, als er aussieht. Bis ins achtzehnte Jahrhundert war dies eher eine Straßenkreuzung als ein repräsentativer Platz. Seine heutige Form entstand erst mit dem Ausbau der Hofburg. Der prächtige Michaelertrakt wurde unter Kaiser Karl dem Sechsten von Joseph Emanuel Fischer von Erlach geplant. Doch siebzehnhundertfünfunddreißig stoppten die Arbeiten aus Geldmangel. Der Bau blieb fast einhundertfünfzig Jahre lang unvollendet. Erst nach dem Abriss des alten Hoftheaters im Jahr achtzehnhundertachtundachtzig konnten das monumentale Tor und die Kuppel fertiggestellt werden. So erhielt die Hofburg ihren prachtvollen Eingang zur Stadt hin. Schauen Sie nun hinüber zum Looshaus. Dieses Gebäude veränderte die Architekturdebatte in Wien grundlegend. Adolf Loos entwarf es für die Firma Goldman und Salatsch. Die schlichte Fassade der oberen Stockwerke löste neunzehnhundertelf einen Skandal aus. Viele Menschen fanden sie neben der kaiserlichen Hofburg schockierend nackt. Genau dieser Kontrast macht den Reiz aus. Auf der einen Seite sehen Sie kaiserliche Pracht, auf der anderen ein Gebäude, das zeigt: Das moderne Wien braucht keine alten Dekorationen mehr. Seinen Namen hat der Platz von der Michaelerkirche, einer der ältesten Kirchen Wiens. Ihre spätromanischen Teile stammen aus der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts. Die Kirche wurde oft umgebaut und erhielt siebzehnhundertzweiundneunzig weitgehend ihr heutiges Aussehen. Hier fand auch ein bedeutendes Ereignis der Musikgeschichte statt: Am zehnten Dezember siebzehnhunderteinundneunzig wurden bei der Seelenmesse für Wolfgang Amadeus Mozart Teile seines Requiems uraufgeführt. Damit ist diese schlichte Kirche eng mit einem der berühmtesten Kapitel der Musikgeschichte verbunden. Das macht den Michaelerplatz zu einem so besonderen Ort. Er ist nicht nur schön, sondern vereint das römische, das kaiserliche, das musikalische und das moderne Wien in einem einzigen Blickfeld. Verweilen Sie einen Moment und genießen Sie diese Kontraste: die Ruinen unter Ihnen, die Kaiserresidenz vor Ihnen, die alte Kirche an Ihrer Seite und die Moderne direkt gegenüber.

Audio-Geschichte

Michaelerplatz

Hören Sie die vollständige Geschichte in der PhoneGuide-App. Professionelle Sprachausgabe, GPS-Synchronisierung und Offline-Modus.

In der App hören

Verfügbar auf iOS und Android