Über diesen Ort
Gehen Sie weiter den Kohlmarkt entlang und achten Sie darauf, wie sich die Atmosphäre verändert. Die Straße wirkt heute edel und schick, aber ihre Geschichte reicht weit in die Vergangenheit zurück. Sie beginnt schon zur Zeit des römischen Lagers Vindobona. Im Mittelalter war der Kohlmarkt dann ein Marktplatz für Holzkohle. Das macht ihn zu einer jener Straßen, die eine typische Wiener Geschichte erzählen. Ein einfacher Marktplatz wandelte sich langsam wegen eines mächtigen Nachbarn - der Hofburg. Da die kaiserliche Residenz ganz in der Nähe lag, entwickelte sich der Kohlmarkt zu einem Ort für Luxusgüter und feines Handwerk. Deshalb wirkt die Straße auch heute noch förmlicher als viele andere in der Innenstadt. Hier verbirgt sich auch eine kleine Wiener Anekdote. Am Kohlmarkt befindet sich der Demel, der ehemalige kaiserliche und königliche Hofzuckerbäcker. Kaiserin Elisabeth liebte die Süßigkeiten vom Demel besonders. Das Haus pflegt bis heute eine alte Tradition: die Demlerinnen. Das ist das rein weibliche Personal, das die Gäste bedient. Dieser Brauch ist fast zweihundert Jahre alt. Es ist ein schönes Detail, das viel über Wien verrät. Selbst Kaffee und Kuchen werden hier mit Ritualen und einem Hauch von Hofleben serviert. Der Kohlmarkt erinnert uns daran, dass Wien seine Vergangenheit selten einfach wegwirft. Aus einer Straße für Kohle und Handel wurde eine Meile für Juweliere und berühmte Mehlspeisen. Doch die alte Geschichte ist unter der Oberfläche immer noch spürbar. Das ist eine der besonderen Fähigkeiten dieser Stadt: den Alltag in etwas Festliches zu verwandeln.