Über diesen Ort
Treten Sie hinaus auf den Heldenplatz und spüren Sie, wie weit Wien hier plötzlich wirkt. Nach den engen Gassen der Altstadt öffnet sich dieser Platz wie eine Bühne. Vor Ihnen erhebt sich die lange, geschwungene Fassade der Neuen Burg. Dahinter erstreckt sich der weitläufige Komplex der Hofburg. Hier wird das kaiserliche Wien greifbar. Stein, Größe und Zeremoniell verschmelzen zu einem beeindruckenden Bild. Die Hofburg war über sechshundert Jahre lang die Residenz der österreichischen Herrscher. Im dreizehnten Jahrhundert begann sie als mittelalterliche Burg und wuchs mit der Macht der Habsburger immer weiter. Mit der Zeit entstand eine riesige Palaststadt mit Flügeln, Höfen, Kapellen und Prunkräumen. Auch nach dem Ende der Monarchie im Jahr neunzehnhundertachtzehn blieb die Hofburg lebendig. Teile des Komplexes werden noch heute vom Staat genutzt. So hat hier zum Beispiel der Bundespräsident seinen Amtssitz. Schauen Sie sich nun den großen Halbkreis der Neuen Burg an. Sie ist einer der jüngsten Teile der Hofburg und entstand zwischen achtzehnhundertneunundsiebzig und neunzehnhundertzwei. Das ehrgeizige Projekt sollte der Monarchie ein noch prachtvolleres Gesicht zur Stadt hin verleihen. Heute beherbergt das Gebäude bedeutende Museen. Dazu gehören das Weltmuseum Wien, die Hofjagd- und Rüstkammer, die Sammlung alter Musikinstrumente und das Haus der Geschichte Österreich. Dieser Wandel ist bezeichnend: Ein Gebäude, das für kaiserliche Pracht geplant war, hilft uns heute, die Welt und die moderne Geschichte Österreichs besser zu verstehen. Wenden Sie sich nun den beiden großen Reiterstandbildern auf dem Platz zu. Sie gaben dem Heldenplatz seinen Namen. Die Statuen ehren Erzherzog Karl und Prinz Eugen von Savoyen. Beide waren bedeutende Feldherren der Habsburger. Der Bildhauer Anton Dominik Fernkorn entwarf beide Denkmäler. Besonders berühmt ist die Statue von Erzherzog Karl. Das schwere Bronzepferd balanciert nur auf seinen Hinterbeinen. Das ist eine technische Meisterleistung, aber auch Propaganda aus Metall. Heroisch und selbstbewusst sollte es jeden beeindrucken, der diesen Platz überquerte. Am Rand des Platzes steht das Äußere Burgtor. Es markiert den Übergang von der Hofburg zur Ringstraße und der Stadt. Ein früheres Tor wurde achtzehnhundertneun von Napoleons Truppen zerstört. Das heutige monumentale Tor entstand in den Jahrzehnten danach. In den Jahren neunzehnhundertdreiunddreißig und vierunddreißig wurde es zu einem Kriegerdenkmal umgestaltet. Diese feierliche Bedeutung hat es bis heute. Das Tor ist also nicht nur ein Eingang. Es ist Triumphbogen, Denkmal und Mahnmal zugleich. Doch der Heldenplatz trägt auch eine dunkle Erinnerung in sich. Am fünfzehnten März neunzehnhundertachtunddreißig trat Adolf Hitler auf den Balkon der Neuen Burg. Vor einer jubelnden Menge verkündete er den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Dieser Moment prägte das historische Gedächtnis Österreichs tief. Der Platz erzählt daher nicht nur von Kaisern und Helden. Er ist auch ein Ort, an dem Begeisterung, Diktatur und Katastrophe in einer unvergesslichen Szene aufeinandertrafen. Deshalb ist der Heldenplatz heute ein so kraftvoller Ort. Um Sie herum finden Sie Symbole für Dynastie, Militär, Regierung und Kultur. Der Platz ist Schauplatz für Staatsakte und Veranstaltungen, lädt aber auch zum Nachdenken ein. Halten Sie einen Moment inne. Sie sehen hier nicht nur ein Wien, sondern viele gleichzeitig: das kaiserliche Wien, das politische Wien, das Wien der Museen und eine Stadt, die sich aufrichtig an ihre Geschichte erinnert.