Über diesen Ort
Vom Michaelerplatz aus wirkt die Hofburg weniger wie ein einzelner Palast, sondern eher wie eine Stadt in der Stadt. Hier sieht man gut, dass die Hofburg nicht auf einmal gebaut wurde. Sie wuchs über sechshundert Jahre lang als Residenz der Habsburger, als Regierungszentrum und als Winterdomizil der kaiserlichen Familie. Der Eingang zum Platz hin gehört zum Michaelertrakt, einem der jüngeren Teile des Komplexes. Die große, geschwungene Fassade und die Kuppel wurden bereits im achtzehnten Jahrhundert geplant. Doch das Projekt verzögerte sich um fast einhundertfünfzig Jahre. Erst 1893 wurde es fertiggestellt, nachdem das alte Hoftheater am Michaelerplatz abgerissen worden war. Diese lange Verzögerung zeigt etwas Wichtiges über die Hofburg: Jeder Herrscher wollte anbauen, aber der Palast musste sich mit der Stadt um ihn herum arrangieren. Sobald Sie hier eintreten, öffnen sich fast gleichzeitig drei verschiedene Seiten des kaiserlichen Wiens. Auf der rechten Seite liegen die Kaiserappartements, die eng mit Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth verbunden sind. Auf der linken Seite befindet sich der Besuchereingang zur Spanischen Hofreitschule. Tiefer im Komplex bewahrt die Kaiserliche Schatzkammer jene Objekte auf, die die Monarchie in Zeremonie und Spektakel verwandelten. Die Kaiserappartements zeigen besonders gut, dass die Hofburg nicht nur ein Symbol der Macht war, sondern auch ein Ort des Alltags. Das Hofzeremoniell sah für jedes Familienmitglied eigene Räume in verschiedenen Trakten vor. Die heute öffentlich zugänglichen Appartements umfassen die ehemaligen Amts- und Wohnräume von Franz Joseph und Elisabeth. Sie machen das Kaiserreich greifbar - Schreibtische, Salons, private Zimmer und die Disziplin des Hoflebens hinter dem öffentlichen Bild. Die Spanische Hofreitschule erzählt eine ganz andere Geschichte. Am besten erreicht man sie zu Fuß über den Michaelerplatz, was diesen Zugang zu einem Teil des Erlebnisses macht. Die Schule geht auf das Jahr 1565 zurück. Ihre Aufgabe ist bis heute die Bewahrung der klassischen Reitkunst und der Lipizzaner-Tradition. Deshalb ist sie für Wien so wichtig: Sie ist nicht nur ein Aufführungsort, sondern eine lebendige Tradition, die die Monarchie selbst überdauert hat. Dann gibt es noch die Kaiserliche Schatzkammer, einer der geschichtsträchtigsten Orte des gesamten Komplexes. Sie bietet eine Reise durch tausend Jahre Geschichte. Zu den Höhepunkten gehören die Österreichische Kaiserkrone, die Reichskrone des Heiligen Römischen Reiches, die Heilige Lanze, Krönungsgewänder und die Schätze des Ordens vom Goldenen Vlies. Hier zeigt sich die Hofburg in ihrer konzentriertesten Form - Macht, ausgedrückt in Gold, Juwelen, Reliquien und Symbolen. Hier am Eingang am Michaelerplatz spüren Sie bereits, wie viele Facetten Wiens in der Hofburg aufeinandertreffen. Die private Welt des Kaiserpaares, die strenge Schönheit der Lipizzaner und die glanzvolle Sprache der Kronen und Insignien. Wenn Sie nun weitergehen, betrachten Sie die Hofburg nicht nur als einen Palast, sondern als ein ganzes kaiserliches System - zeremoniell, praktisch, künstlerisch und bei jedem Schritt sorgfältig inszeniert.