Über diesen Ort
Dieser kleine Platz, an dem die Straßen Piwna, Zapiecek und Piekarska aufeinandertreffen, liegt mitten im Gassenlabyrinth der Warschauer Altstadt. Man übersieht ihn leicht, doch die Straßennamen klingen wie eine mittelalterliche Einkaufsliste. Piwna bedeutet „Bierstraße“. Früher war Bier oft sicherer zu trinken als Wasser, und das Brauen war ein wichtiges Handwerk. Straßen wurden oft nach den Berufen benannt, die dort ansässig waren. Die Piwna war das Zentrum für Tavernen und den Handel, der die Stadt versorgte. Piekarska leitet sich von „piekarz“ ab - dem Bäcker. Brot war ein Grundnahrungsmittel, dessen Herstellung strengen Zunftregeln unterlag. Bäcker brauchten Mehl, Öfen und Kundschaft. Straßen wie diese zeigen, wie die Stadtversorgung lange vor Supermärkten funktionierte. Zapiecek bedeutet so viel wie „hinter dem Ofen“. Der Name erinnert an Wärme und das geschäftige Treiben hinter den Kulissen, das den nahen Marktplatz versorgte. Noch heute wirkt dieser Ort wie eine kleine Atempause zwischen den belebten Gassen. Wie fast alles in der Warschauer Altstadt tragen auch diese Straßen die Spuren des Jahres 1944. Nach der Zerstörung im Krieg wurde das Viertel sorgfältig rekonstruiert. Der Grundriss und die Namen blieben erhalten, und das Leben kehrte zurück. Es ist der Beweis, dass eine Stadt nicht nur aus Stein, sondern auch durch die Erinnerung ihrer Bewohner wiederauferstehen kann.