Über diesen Ort
Schauen Sie zuerst nach oben. Die Sainte-Chapelle wurde gebaut, um den Blick zu heben. Man fühlt sich hier klein - aber nicht auf bedrückende Weise, sondern voller Staunen. Die Kapelle liegt im alten Königspalast auf der Île de la Cité. Sie entstand in den 1240er Jahren für einen einzigen Zweck: um die heiligen Reliquien des Königs zu ehren. Dies war die Privatkapelle von König Ludwig IX., dem späteren Heiligen Ludwig. Er kaufte die Dornenkrone Christi und andere Passionsreliquien für eine enorme Summe. Dann baute er diese prachtvolle Kapelle als würdigen Ort für sie. Eine Geschichte beschreibt die Stimmung damals gut: Als die Reliquien in Paris ankamen, soll Ludwig IX. sie barfuß und im Büßergewand selbst getragen haben. So wurde der königliche Umzug zu einem Akt tiefer Frömmigkeit. Achten Sie nun auf die Architektur. Die Oberkapelle ist berühmt, weil die Wände fast zu verschwinden scheinen. Statt schwerem Stein sehen Sie Glas. Fünfzehn hohe Buntglasfenster ragen etwa 15 Meter in die Höhe. Sie bestehen aus über tausend einzelnen Scheiben. Es ist wie eine mittelalterliche Bilderbibel in tiefem Blau und Rot, die sich mit jeder Wolke am Himmel verändert. Richten Sie Ihren Blick nun nach Westen zur großen Fensterrose. Sie ist jünger als die anderen Fenster und stammt aus dem 15. Jahrhundert. In diesem spätgotischen Meisterwerk wird die Apokalypse in wirbelnden Formen und leuchtenden Farben dargestellt. Die Rose hat einen Durchmesser von etwa neun Metern. Je länger Sie sie betrachten, desto mehr Details werden Sie entdecken. Diese Schönheit blieb nicht immer unversehrt. Während der Französischen Revolution wurde die Kapelle beschädigt und zweckentfremdet. Später nutzte man sie sogar für die Verwaltung der nahegelegenen Gerichte. Im 19. Jahrhundert wurde die Sainte-Chapelle dann umfassend restauriert. Architekten und Künstler arbeiteten jahrzehntelang daran, sie wieder in das gotische Juwel zu verwandeln, das sie heute ist.