Über diesen Ort
Bleiben Sie auf dem Platz stehen und schauen Sie hoch zur Oude Kerk. Man übersieht leicht, wie alt dieses Gebäude wirklich ist, weil die Straßen drumherum so belebt sind. Dies ist Amsterdams älteste Pfarrkirche. Die Geschichte begann um zwölfhundertdreizehn mit einer hölzernen Kapelle an dieser Stelle. Die Steinkirche wurde dreizehnhundertsechs geweiht und dem Heiligen Nikolaus gewidmet, dem Schutzpatron der Seeleute. Betrachten Sie nun die Form der Kirche. Was bescheiden begann, wuchs über Jahrhunderte zu einem großen gotischen Bauwerk heran. Die Kirche wurde immer wieder erweitert, als Amsterdam reicher und voller wurde. Im Inneren wirkt der Raum für eine so alte Kirche ungewöhnlich hell. Wenn Sie die Gelegenheit haben, hineinzugehen, schauen Sie nach oben zum Holzgewölbe. Die Eichenbohlen stammen aus der Zeit um dreizehnhundertneunzig. Die Decke gilt als das größte mittelalterliche Holzgewölbe in Europa und ist berühmt für ihre Akustik. Dieser Ort markiert auch einen dramatischen Wendepunkt. Während der Alteratie von Amsterdam am sechsundzwanzigsten Mai fünfzehnhundertachtundsiebzig wechselte die Stadt zur protestantischen Herrschaft. Die Kirche wurde von einer katholischen zu einer reformierten Kirche. Ein Großteil der katholischen Innenausstattung wurde entfernt - Altäre verschwanden, Bilder wurden verdeckt und die Dekoration wurde schlichter, so wie man sie heute sieht. Wenn Sie nach unten schauen, achten Sie auf den Boden. Er besteht aus einem Mosaik aus Grabsteinen. Über Jahrhunderte wurden hier Menschen bestattet. Tausende Steine markieren die Oberfläche, und darunter liegen noch viele weitere Gräber. Es ist eine Erinnerung daran, dass die Kirche einst von einem Friedhof und Kanälen umgeben war. Die Oude Kerk ist nicht in der Zeit stehen geblieben. Neben Gottesdiensten finden hier seit zweitausendzwölf auch bekannte Ausstellungen für zeitgenössische Kunst statt. Das schafft einen spannenden Kontrast - moderne Installationen in einem der ältesten Räume der Stadt. Gehen Sie nun wieder nach draußen und suchen Sie die Bronzefigur auf dem Platz - das ist Belle. Die Statue steht wie ein stilles Zeichen an einem Ort, über den oft laut geurteilt wird. Belle wurde am einunddreißigsten März zweitausendsieben enthüllt. Sie wurde von der Künstlerin Els Rijerse im Auftrag des Prostitution Information Center geschaffen, als Aufruf zu Würde und Respekt. Die Inschrift auf dem Sockel lautet: „Respektiert Sexarbeiter auf der ganzen Welt.“ Schauen Sie sich noch einmal um: eine mittelalterliche Kirche, eine moderne Statue und das Rotlichtviertel teilen sich denselben kleinen Platz. Das ist Amsterdam in seiner direktesten Form - vielschichtige Geschichte, echtes Leben und ein öffentlicher Raum, in dem verschiedene Geschichten nebeneinander existieren.