Über diesen Ort
Bleiben Sie einen Moment stehen und lassen Sie die Größe dieses Gebäudes auf sich wirken. Der Palacio Real, der Königliche Palast von Madrid, wurde entworfen, um zu beeindrucken. Er ist riesig, förmlich und liegt direkt neben der Almudena-Kathedrale am Rand der Altstadt. Mit über einhundertfünfunddreißigtausend Quadratmetern und mehr als dreitausendvierhundertachtzehn Zimmern gilt er als der größte königliche Palast in Westeuropa. Schon von außen zeigt er: Madrid wollte eine Hauptstadt sein, die mächtig, geordnet und unverkennbar königlich wirkt. Die Geschichte dieses Ortes beginnt lange vor dem heutigen Palast. Hier stand einst der Alcázar, eine Festung aus der maurischen Siedlung Magerit. Später wurde sie zur Residenz der Könige von Kastilien und der Habsburger. Doch am Weihnachtsabend siebzehnhundertvierunddreißig veränderte ein verheerendes Feuer alles und zerstörte den Alcázar fast vollständig. König Philipp der Fünfte ordnete daraufhin den Bau eines völlig neuen Palastes an, der dem Ansehen der Bourbonen-Monarchie entsprechen sollte. Schauen Sie sich den Palast noch einmal an. Der erste Architekt war Filippo Juvarra, doch nach seinem Tod übernahm sein Schüler Juan Bautista Sachetti die Pläne. Der Bau dauerte siebzehn Jahre. Der erste König, der hier wirklich einzog, war jedoch Karl der Dritte. Er gilt als der große Modernisierer Madrids. So wurde der Palast zum Symbol für den Aufstieg der Stadt zu einer modernen Hauptstadt. Von außen wirkt der Palast eher ruhig und zurückhaltend. Die langen Fassaden und gleichmäßigen Linien strahlen Ordnung aus. Im Inneren wird es jedoch prachtvoll und theatralisch. Es gibt die von Sabatini entworfene Haupttreppe, den Thronsaal mit Deckenfresken von Tiepolo und die beeindruckende Königliche Rüstkammer. Jeder Raum war eine Bühne für die Monarchie, um Rang und Geschmack zu zeigen. Das Interessante ist: Die königliche Familie wohnt heute nicht mehr hier. Dennoch bleibt der Palast ihre offizielle Residenz. Er wird weiterhin für Staatsempfänge und feierliche Zeremonien genutzt. So ist das Gebäude kein reines Museum, sondern immer noch ein lebendiger Teil der spanischen Politik. Wenn Sie an der Plaza de la Armería stehen, sehen Sie, wie verschiedene Epochen Madrids aufeinandertreffen. Neben dem Palast steht die Almudena-Kathedrale. Unterhalb liegen die Gärten des Campo del Moro. In der Nähe zeigt die Galerie der Königlichen Sammlungen Kunstwerke und Schätze vom Mittelalter bis heute. Kaum ein anderer Ort in Madrid vereint so viel Geschichte auf einen Blick. Es gibt auch eine menschliche Seite. Hinter dem Glanz arbeiteten früher hunderte Bedienstete, Wachen und Köche. Heute kann man sogar die Königliche Küche besichtigen, eine der am besten erhaltenen historischen Schlossküchen Europas. Das erinnert uns daran, dass der Palast auch ein Ort des Alltags war - mit Mahlzeiten, die zubereitet, und Räumen, die geheizt werden mussten. Bevor Sie weitergehen, werfen Sie noch einen letzten Blick auf das Gebäude. Der Palast ist zwar nicht das älteste Bauwerk der Stadt, aber er zeigt deutlich, wie Madrid zum Zentrum der Macht wurde. Aus der Asche des alten Alcázar entstand durch den Ehrgeiz der Bourbonen etwas völlig Neues. Heute ist der Palacio Real ein historisches Meisterwerk und zugleich ein Ort lebendiger Tradition. In Madrid liegen viele Schichten der Geschichte übereinander - hier ist sie besonders monumental.